Montag, 2. November 2026

Gambia ab 5.10.2016


















Hier am Meer ist es angenehm, die Temperaturen nicht so hoch und der Wind bringt frische Meeresluft zu uns. Am Vormittag sind Magy und ich uns erkunden gegangen, wie man auf die nahegelegene Insel kommt und in das Naturschutzgebiet. Der Weg ist einfach, allerdings kostet der Eintritt in das Naturschutzgebiet 10 Euro pro Person. Ich habe gerne darauf verzichtet, ist es doch nicht viel mehr als eine große Insel mit schönen Stränden und ein paar kleinen Dörfern. 

 













Zum Mittagessen haben wir uns vom Markt Fleisch geholt. Das gibt es hier fertig und wird normalerweise mit Brot gegessen. Ich hatte meine Tupperware mit, weil ich zuhause essen wollte. Es war nicht nur preiswert sondern auch lecker.

Am Abend gab es einen fantastischen Sonnenuntergang, weil es mal ausnahmsweise nicht regnete und die Wolken nur vereinzelt am Himmel standen.


Der Secret Service des Forts fragte uns wieder, ob es uns gut geht und wir eine ruhige Nacht verbracht hätten. Wir bejahten, denn ruhiger kann es kaum sein. Am Nachmittag gingen wir mit ihm in die Stadt um ein Taxi für morgen zu bestellen. Wir hatten überlegt mit dem Taxi zur Insel Kunta Kinteh zu fahren, weil es keine Stellplätze für uns dort gibt und das Taxi zu einem annehmbaren Preis fährt.








 

Die Taxifahrt war angenehm, denn das Auto war ein alter Mercedes, der noch relativ gut intakt war. Die Insel und das Museum sind sehenswert, wenn auch sehr teuer meiner Meinung nach. Andererseits, es ist die Geschichte von Afrika. Und wenn man diese Länder hier bereist kommt man nicht umhin, sich mit der Historie zu beschäftigen. Und hier war ein guter Ort genau das zu tun.

 






Kunta Kinteh hat es wirklich gegeben, ein rebellischer Sklave. Die Familie gibt es hier in einem nahegelegenen Dorf. 















Wir blieben noch einen Tag länger, das war auch gut so. Denn in der Nacht hatte es so heftig geregnet, dass ich möglicherweise mit dem KAT hier nicht vom Acker gekommen wäre. So blieb Zeit, Wäsche zu waschen und zu putzen. Muss ja auch mal sein.

 Wie befürchtet, hatte ich, obwohl es nicht mehr geregnet hatte Schwierigkeiten beim Anfahren von der Wiese. Ich legte den Rückwärtsgang ein und merkte schnell, dass das nicht geht. Also ein Stück vorwärts und dann war alles gut. Auch Carlos hatte seine Schwierigkeiten mit dem Herauskommen beim Anfahren. Er musste umschalten auf Allrad. Der erste Weg war dann auch mit vielen Pfützen, fast schon Seen, angereichert. Leider mit sandigem Untergrund, sonst wäre ja eine Unterbodenwäsche möglich gewesen. So müssen wir das später nachholen, denn jetzt ist alles rot vom Sand.

Eigentlich wollten wir nur 60 km fahren, taten wir am Schluss auch, aber anders als geplant. Nach den ersten 20 km hielt die Polizei uns an und erklärte uns, wir könnten nicht weiter geradeaus fahren, denn die Brücke ist zerstört. Folglich mussten wir einen Umweg fahren. Wir waren nicht wirklich genervt, denn die andere Straße stellte sich als die wesentlich bessere heraus. Am ersten möglichen Stellplatz angekommen stiegen Carlos und ich aus, um den Untergrund uns anzusehen. Das Ende der Regenzeit naht, das bedeutet aber, dass der Boden vollgesogen ist mit Wasser. Eigentlich sah es hier gut aus und wir beschlossen, auf den Platz zu fahren. Carlos fuhr voraus, und das war auch gut so. Ich wartete und sah mir dann die Bescherung an. Carlos hatte mit seinem LKW eine tiefe Spur auf einer Seite gezogen. Es blieb keine andere Wahl als umzudrehen. Gut, dass ich noch auf der Straße stand, sonst wären die Schwierigkeiten sehr viel größer gewesen. Ich hätte den KAT nicht drehen können und hätte festgesteckt. 

Wir fuhren weiter und suchten, fanden aber nichts, was nach einem schönen Platz zum Befahren aussah. Einen Platz hatte ich gesehen, aber es befand sich ein kleiner Graben davor. Auf der gegenüberliegenden Seite führte eine Sandpiste zum Fluß, und weil die Piste breit genug war stellten wir uns nacheinander an den Rand. Hier wird es hoffentlich heute Nacht nicht so laut, denn wir stehen fast an der Hauptstraße.

Am Nachmittag gingen wir am Fluss entlang und kamen zu einer alten Fabrik, in der Erdnüsse geknackt und verpackt wurden. Die Schalen dienten als Dünger auf den Feldern. Das untergegangene Schiff war beladen mit Erdnüssen aus dem Osten von Gambia. 

 





















Wir bekamen Besuch von der Polizei, denn die nächste Station ist 300 m von hier entfernt. Ein Polizist hatte Uniform an, so dass wir auch erkennen konnten, dass es sich um Polizisten handelte. Sie stellten sich vor, verlangten unsere Reisepässe und wir unterhielten uns über Gambia und unsere Reise. Sie waren nicht nur nett und freundlich, sondern baten auch um meine Telefonnummer, damit wir sie im Ernstfall informieren können. Leider führt das dann immer dazu, dass ich anschließend nette Whatsapp-Nachrichten bekomme. Alle wollen jetzt meine besten Freunde sein. Mal sehen, vielleicht braucht man die ja nochmal, also recht freundlich antworten und abwarten.

 













Wir fuhren weiter, und ich bekam permanent Nachrichten von einem der Polizisten, die uns nach der Telefonnummer gefragt hatten. Ich gab meine weiter, da ich im Falle eines Problems hätte anrufen können. Dass diese dann missbraucht werden für Freundschaftsanfragen etc. war mal wieder klar. Unser nächstes Ziel war Farafenny, zumindest nur ein kleines Stück davor, denn wir wollten hier auf dem Markt einkaufen gehen. Da wir wußten, dass in dieser Stadt das Chaos herrscht blieben wir 4 km vorher auf einem großen Grundstück stehen. Morgen werden wir einkaufen fahren mit dem Quad. Kurz nach Ankunft kam der Sekretär des Eigentümers, fragte kurz woher wir kommen und wohin wir wollen und dann gab er uns die Erlaubnis, hier stehen zu bleiben.

 

Irgendeins der Eier, die ich gestern gegessen hatte, war wohl schlecht. Mir ging es nicht gut, hatte Magenprobleme und Fieber. Damit fiel zunächst Sport aus und später auch das Einkaufen. Ich hatte noch genügend zu essen und außerdem brauche ich in meinem Zustand Lebensmittel am allerwenigsten. So blieb ich die meiste Zeit des Tages im Bett.

Carlos hatte heute Nacht Insekten in seinem Fahrzeug, die über das Dachfenster hereinkamen. Mich hatten sie zum Glück verschont.

 


Es ging mir etwas besser, aber mit dem Quad zum Einkaufen in die Stadt fahren traute ich mir nicht zu. So holte ich zwar das Quad heraus, überließ aber Carlos die Schlüssel, ich ruhte mich weiter aus. Das Fieber war vorbei, aber Energie hatte ich noch nicht. Auch die Probleme mit dem Darm blieben noch.

Die Käfer, die bei Carlos im Fahrzeug waren gestern Nacht lagen vermehrt in meinem Campingstuhl. Als ich diesen öffnete zum Hinsetzen musste ich die Käfer zunächst herausschütteln. Heute Abend fand ich dann auch einen auf meiner Arbeitsfläche. Ich nahm das Spray gegen Käfer und sprühte alle möglichen Einstiegsstellen ein, so z.B. die Fensterrahmen. Ich hoffe, das reicht für heute Nacht.


Mir ging es besser, so dass ich einkaufen fahren konnte. Ich beeilte mich, denn wir hatten beschlossen, diesen Platz zu verlassen. Carlos hatte wieder Käfer, die nachts hereinkamen. Das braucht man nicht. Und sie fallen ja durch das Dachfenster direkt auf Carlos. Also war an Schlafen nicht zu denken.

Wir fuhren weiter zu den ersten Steinkreisen nach Kerr Batch, überquerten den Fußballplatz und stellten uns in den Hintergrund. Ok, das Überqueren des Platzes war vielleicht nicht unsere beste Idee. Jetzt ist es passiert und unsere Fahrspuren sind im Sand. Nicht sehr tief, aber immerhin. Blöd gelaufen.

Wir bekamen reichlich Besuch von Kindern und Erwachsenen. Dies scheint kein touristischer Ort zu sein. Zumindest, was die Touristen von Europa anbetrifft scheint es hier einen Mangel zu geben.

 

Wir gingen zu den Steinkreisen und dem dazugehörigen Museum. Ein UNESCO Welterbe. Einigermaßen sauber und gut erhalten. Und schon sehr spannend. In der Vergangenheit, d.h. vor mehr als 2.300 Jahren, hat man diese Kreise errichtet. Wahrscheinlich für religiöse Rituale. Auch beerdigt wurden hier einige. Aber genauere Erklärungen gibt es nicht. Vielleicht weiß man in Wassu mehr, denn da wollen wir auch noch hin.











 

Am Spätnachmittag kamen die Frauen vom ersten „Compound“, so nennen sie das hier. Ein Grundstück das umzäunt ist und auf dem sich mehrere Häuser der Familie befinden. Sie luden Magy und mich zu sich ein und wir bekamen zu Essen. Reis mit Nudeln, Kartoffeln und Gemüse aus Blättern, angerichtet mit Erdnusssoße. Lecker.

 Wir nahmen einen anderen Weg über das Fußballfeld, um möglichst wenig zu zerstören. Ich denke, es ist uns gelungen. Das nächste Mal müssen wir definitiv mehr aufpassen. Wassu ist nicht weit, wir tankten Wasser und waren schon früh am Vormittag hier. Am Montag soll es einen riesigen Markt hier geben, also bleiben wir bis mindestens Dienstag. Die Regenfälle haben nachgelassen, leider sind die Temperaturen noch sehr hoch. Und natürlich waren wir umringt von Kindern und Jugendlichen, die nach Fußbällen und Geld fragten.

Der Eigentümer des Grundstücks, Soleiman, kam und stellte sich vor. Er ist gleichzeitig Eigentümer des Hotels in 200 m Entfernung. Er spricht deutsch, obwohl ihm englisch lieber ist.

 

Am Morgen wurden wir wieder beobachtet, es fing schon beim Sport an. Ein Jugendlicher, der uns bereits gestern beobachtete, stellte sich in 50 m Entfernung hin und schaute uns zu. Alles Reden half nichts. Nach dem Sport ging ich hinter ihm her, es schien ihn nicht weiter zu stören. Am Hotel angekommen traf ich Soleiman. Er erklärte mir, dass dieser Junge geistig behindert ist. Ok, das kann ich gut verstehen, ich ging zum KAT und holte zwei kleine Geduldsspiele heraus, die ich ihm brachte. Er zog glücklich davon. Soleiman bedankte sich. Später kam er zum KAT und wollte sich alles ansehen. Gerne doch, schließlich stehen wir auf seinem Grundstück. Und dann verabredeten wir für morgen Vormittag eine Quadtour. Vorher ging es aber noch zu dem zweiten Feld mit Steinkreisen. Das scheint das touristisch interessantere zu sein, so bekommt man jedenfalls den Eindruck. 


















 

Ich war schon zum Frühstücken eingeladen, es gab Brot mit irgendwas in Öl Gebackenes drin, was auch immer es war, es schmeckte fantastisch. 

 



Dann ging es los auf unsere Tour, die zwei Stunden dauerte. Durch die Felder über schmale Wege bis zum Gambia River. An der Stelle gab es eine kleine Erhebung, und weil Gambia überwiegend Flachland ist hatten wir eine hervorragende Aussicht über den Fluss und die Landschaft. Auch die Inseln waren gut zu erkennen. 

 































Anschließend wurde ich zum Mittag- und Abendessen eingeladen, denn wir konnten bei den Fischern fangfrischen Fisch kaufen.


Markttag. Ein unglaubliches Treiben in der Stadt, scheinbar sind die Händler aus der ganzen Umgebung hier und bieten ihre Waren an. Fast alles gab es zu kaufen, außer das, was ich gerne gekauft hätte. Eine Gemüsereibe, um Möhren zu reiben. Vielleicht beim nächsten Mal. Obst und Gemüse gibt es reichlich, allerdings nur die üblichen Sorten. Und zu einem Preis, den sich viele Einheimische hier nicht leisten können. Die Arbeiter bei Soleiman bekommen am Tag zwischen 8 und 9 Euro für 10 Stunden Arbeit. Damit müssen sie dann eine Familie ernähren. Kein Wunder, dass Familie versucht, durch den Verkauf von Waren etwas dazu zu verdienen


Wir konnten nochmals Wasser tanken, diesmal kostenlos vom Hotel. War eigentlich nicht notwendig, aber ich hatte drei Maschinen Wäsche gewaschen und haben ist besser als brauchen. Dann fuhren wir weiter bis kurz vor Basse Santa Su. Es ist schwierig, einen Stellplatz zu finden. Denn offensichtlich hatte es gestern reichlich geregnet, und die Wiesen stehen voller Wasser. 7 km vor der Stadt fand ich noch einen riesigen Platz 200 m ab von der Straße, nicht einsehbar. Die roten Steine sind fest und auch Regen kann uns jetzt bei der Herausfahrt nichts anhaben. Ein kurzer Trip in die Stadt mit dem Quad war kostenfrei. Für die LKW müssen wir beim Überqueren der Brücke 10 Euro bezahlen. Ich bin auch gleich zu der Werkstatt gefahren, wo ich den Ölwechsel vornehmen lassen will. Das Öl ist richtig teuer, dafür ist die Arbeit preiswert.


Der Platz ist schön und ruhig, allerdings sind hier die gleichen Ohrenkneifer wie am anderen Platz. Ich bin nicht belästigt worden, aber Carlos und Magy haben die Viecher am und im Fahrzeug. Grausam, sie konnten kaum schlafen.

Ich fuhr mit Magy zum Einkaufen, was hier nicht immer einfach ist. Einen großen Supermarkt sucht man vergebens, in den kleineren Märkten gibt es nicht alles, was man gelegentlich braucht. Joghurt zum Beispiel ist schwierig, meistens gibt es den von Dolima, einer offensichtlich den Markt beherrschenden Marke, ab er fast immer nur gezuckert und mit Vanillegeschmack. Mag ich eigentlich, ist aber zu intensiv, daher mische ich den gerne mit Naturjoghurt. Ich holte am Automaten Geld für den Ölwechsel. In der Werkstatt hatte ich nach dem Preis gefragt. 1.700 Dalasi für 5 Liter hatte man mir mitgeteilt, plus 1.500 Dalasi für die Arbeit. Ich holte 5 x 8.000 am Automaten. Damit hatte ich jetzt 40.000 Dalasi in der Tasche und plötzlich fiel mir auf, dass ich mich völlig verrechnet hatte. Denn 1.700 war der Preis für 5 Liter, folglich hätte ich rechnen müssen 40./. 5 x 1.700. Ich bestellte gleich noch 25 Liter Öl mehr, denn jetzt hatte ich definitiv zuviel Geld in der Tasche. Und durch Einkaufen kann man das nicht loswerden. Ich werde wohl einen Teil mit in den Senegal nehmen zum Tauschen gegen Senegal Franc.

Mit Ausnahme einiger Männer, die hier Erde und Steine auf ihren Anhänger vom Trecker laden, ist nichts los.

 Wäsche gewaschen, telefoniert, und das wars auch schon. Ach nein, ich hatte noch Spass mit der Polizei. Natürlich gibt es vor jeder Stadt einen Posten, so auch hier. Die hielten mich schon häufiger an mit dem Quad, diesmal war ich auf dem Rückweg und alleine. Einer erzählte mir, dass ich ein Stück hoch und dann links fahren sollte, da könnte man zum Wasser offroad fahren. Ich wusste nicht genau, wo links er meinte und sagte ihm kurzerhand er solle auf das Quad steigen. Und ich drehte mit ihm eine Runde, er kam aus dem Grinsen nicht mehr raus und bedankte sich anschließend herzlich.


Ich fuhr vor Carlos und Magy zur Werkstatt, denn die beiden wollten mit Druckluft das Fahrzeug von den Ohrenkneifern befreien. Hoffentlich gelingt es.

Der Ölwechsel war schnell gemacht und ich kaufte noch soviel Öl, das ich für den nächsten Wechsel genügend habe. Dann fuhr ich zu einem schönen Platz außerhalb von Basse Santa Su Richtung Grenze, denn morgen soll es wieder in den Senegal gehen.