Mein Knie schmerzt weiterhin, aber nicht mehr so viel. Heute geht es weiter, 145 km und Wasser tanken waren angesagt. Leider haben wir nicht alles geschafft, da wir zum Wasser tanken und um die Stadt Brikama zu durchfahren schon weit mehr als die eingeplante Zeit brauchten. So stehen wir jetzt nur 70 km vom Abfahrort entfernt auf einem Acker nahe der Hauptstraße. Wir hatten den Eigentümer gefragt und weil ja noch keine Saison ist dürfen wir auf seinem Acker übernachten. Ich denke, das wird sich in Kürze ändern, denn in der Regenzeit werden die Äcker bepflanzt.
Der Weg führte uns zum Garten in der Nähe von Tendaba. Hier versucht ein Mann aus Gambia einen Platz für Overlander zu schaffen und gleichzeitig einen Garten anzulegen. Es könnte schön werden, dauert aber noch. In der App steht, man soll eine Spende geben, aber letztendlich möchte er 500 Dalasi haben für die Übernachtung. Wir machten noch einen Spaziergang am Nachmittag nach Tendaba und werden nur eine Nacht hierbleiben.
Die weitere Fahrt zum River Gambia National Park war einfach, denn die Straßen sind einigermaßen gut, ich habe nur drei Schlaglöcher gezählt, nur die letzten 13 km waren Schotterpiste, aber ebenfalls einfach zu fahren. Gelegentlich muss man den Bäumen ausweichen oder auf die Kabel achten, aber alles halb so schlimm. Wir wussten noch nicht genau, wo wir parken können und so hielten wir im ersten größeren Dorf an und fragten nach. Zunächst sagte man uns, wir sollen rechts reinfahren, Carlos tat dies und kam zurück, weil er der Ansicht war, ich könne nicht in das Gelände fahren, zu viele große Bäume. Dann wollten wir zwischen den beiden Dörfern parken, aber auch das war nicht möglich. Dann kam Emse, ein Guide und des Nationalparks, der sich um Overlander kümmert. Er setzte sich zu mir in den Truck und wir fuhren auf sein Land. Das direkt am Weg zum Gambia River liegt. Wir machten eine Bootstour für morgen klar und fühlten uns erst einmal wohl. Natürlich kamen einige Bewohner und begrüßten uns. Und einige blieben für einen Plausch. Gegen neun Uhr abends machten wir eine Nachtwanderung, auf der wir eine besondere Art Tiere sehen konnten. Diese Tiere haben gelbrot leuchtende Augen und wenn man genau hinsieht findet man sie. Ich habe gleich zweimal eins gefunden, einmal konnte ich es direkt ansehen, denn es flüchtete nicht vor der Taschenlampe. Ein besonderes Ereignis.
Zunächst mussten wir mit dem Motorrad mit Pritsche zum Hafen fahren, eine wirklich eindrucksvolle Fahrt, gesäumt von Baobab-Bäumen, die hier einen riesigen Umfang haben und begleitet von Affen. Dann ging es auf die andere Seite des Flusses zum Touristenboot. Damit fuhren wir entlang der Inseln und hofften, Flusspferde zu sehen. Eins kam mit seiner Schnauze zum Vorschein, mehr aber auch nicht. Affen konnten wir dafür reichlich sehen, auch die hier wieder ausgewilderten Schimpansen, wovon es derzeit 146 gibt. Sie wurden gejagt, gegessen und damit ausgerottet. Heute sorgen sowohl ein Ranger als auch die Insellage dafür, dass die Schimpansen überleben können.
Am Nachmittag gingen wir dann noch einmal zum River in der Hoffnung, hier Flusspferde zu sehen. Leider wieder nur Affen, diese gaben aber ein schönes Fotomotiv her. Morgen versuchen wir es noch einmal.
Ich ging mit dem Guide nochmals am Vormittag zum Flussufer, diesmal eine wesentlich längere Strecke. Leider keine Flusspferde zu sehen und wir gingen unverrichteter Dinge zum Mittagessen. Wir waren eingeladen worden zum Wildschweinessen. Sehr lecker, leider gibt es immer nicht so viel Fleisch pro Person, ich hätte gerne mehr gegessen davon, denn es schmeckte vorzüglich.
Auf dem Rückweg kamen wir noch an einem umgekippten Affenbrotbaum vorbei. Die werden teilweise mehr als 1000 Jahre alt und sind häufig, wenn sie denn umfallen, von innen hohl.
Der Nachmittag war dann eher langweilig, muss auch mal sein.
Wir sind mit dem Fahrrad zum Platz am Gambia River gefahren, wo die Flusspferde hinkommen sollen. Leider tun die nicht, was sie sollen und so mussten wir unverrichteter Dinge wieder zurückfahren. Noch nicht einmal Affen haben wir gesehen.
Am Nachmittag fuhren wir dann in die andere Richtung, dort fanden wir zwar viele Affenbrotbäume, aber keine Tiere. Es war auch schon spät, so dass wir die unglaublich schöne Landschaft nicht lange geniessen konnten. Also beschlossen wir, noch einen Tag länger zu bleiben, um morgen früh die Strecke bis zum Gambia River zu fahren.
Mittwoch, 1.7.2026
Wir fuhren die verabredete Strecke und kamen durch die Reisfelder zum Flussufer, leider wieder ohne Flusspferde. Es scheint mir nicht vergönnt welche zu sehen. Eine schöne Fahrt mit dem Fahrrad durch eine faszinierende Landschaft. Einerseits trocken und sandig, andererseits mit Wasser gefüllte Felder. Der Reis steht hier schon hoch, offensichtlich sind die Reisfelder auch vor der Regenzeit gefüllt mit Wasser. Ich habe nicht gefragt, aber ich kann mir denken, dass man hier mehr als einmal im Jahr erntet.
Am Nachmittag lud mich der Guide nochmals ein mit ihm eine Radtour zu machen zu einem anderen Punkt, von dem aus man den Fluss überblicken und vielleicht auch Flusspferde sehen kann. Wie gesagt, vielleicht, vielleicht auch nicht. Bei mir war es dann vielleicht auch nicht. Egal, es gab trotzdem eine herrliche Weitsicht über den Nationalpark und eine sehr anstrengende Fahrt mit meinem kleinen Fahrrad. Jetzt reicht es erst einmal, das Fahrrad wird eingepackt.
Wasser konnten wir dann auch noch tanken, bisher hatten wir damit noch keine Probleme.
Los ging es zur Insel, zur ehemaligen Hauptstadt Gambias, die über zweihundert Jahre lang ihre Einnahmen aus dem Sklavenhandel bestreiten konnte. Von hier aus wurden tausende Sklaven seit dem 16. Jahrhundert bis 1832 verschifft nach Amerika. Wir fanden einen Platz zweihundert Meter von einem Campingplatz und bekamen natürlich sofort Stress mit dessen Eigentümer. Der wollte uns mitteilen, dass nur ein Stehen auf einem Campingplatz erlaubt ist. Ich erklärte ihm, dass ich das mit meinem großen Fahrzeug nicht kann. Er meinte dazu, dass der Platz, auf dem wir stehen, ebenfalls sein Grundstück ist und wir müssten bezahlen. Wir einigten uns auf 500 Dalasi für eine Übernachtung für zwei Fahrzeuge. Daraufhin blieben wir hier stehen und fuhren am Nachmittag erst einmal einkaufen. Jedenfalls, soweit möglich, denn der Markt, auf dem es Obst und Gemüse zu kaufen gibt, schloss, kurz bevor wir mit unserem Mittagessen im Restaurant fertig waren. Egal, dann eben morgen. Mangos gab es ja noch und Bananen, der Rest ist für heute nicht wichtig. Am Abend bekamen wir Besuch von dem Lakaien des Campingplatzbesitzers und seiner Freunde. Sie wollten mal das Geld für drei Nächte abkassieren. Wir erklärten ihnen, dass wir ohne eine Quittung gar nichts zahlen würden und eigentlich nicht vor Sonntagmorgen das Geld hergeben wollen. Daraufhin wurde der Chef, der sich derzeit ausserhalb befindet, angerufen. Ihm sagten wir das Gleiche und er meinte, wir hätten uns auf 500 pro Fahrzeug geeinigt. Etwas ungehalten erklärte ich ihm, dass das ja wohl keinen Sinn mache. Er hatte uns im ersten Gespräch 300 pro Fahrzeug angeboten wobei wir uns auf 500 für zwei geeinigt hatten. Jetzt plötzlich sollten es 500 pro Fahrzeug sein? Er verstand dann auch, dass wir nicht bereit sind mehr zu zahlen und vor Samstag abend sowieso nicht. Er sei am Samstag nachmittag wieder hier und dann würde er zu uns kommen. Ok, kein Problem.
Das Sklavenhaus besuchen war für mich selbstverständlich, aber auch hier wurden wir quasi über den Tisch gezogen. Es muss wohl zwei Guides mit einem Schlüssel geben, unser verlangte zunächst 500 Dalasi pro Person, dann gab er uns ganz großzügig einen Discount und wollte noch 300 haben, am Ende stellten wir fest, dass der eigentliche Preis 200 sind. Leider war es da bereits zu spät.
Auch die erste Methodistenkirche Westafrikas ist hier zu finden und wir haben diese besichtigt. Seit 1821 steht sie hier. Der Priester ist gleichzeitig einer der Lehrer, denn zur Kirche gehört eine große Grundschule, die ebenfalls seit 1825 besteht und von den Methodisten gegründet wurde.
Am Spätnachmittag gab es noch eine Bootsfahrt in der Hoffnung, heute endlich Flusspferde und Krokodile zu finden. Leider war es dann nur ein sog. Bird watching, wobei, Affen haben wir auch gesehen. Soll eben nicht sein, dass ich Hippos sehe.
Wir fuhren weiter, damit wir dem sog. Eigentümer des Grundstücks nicht bezahlen müssen. Die Fähre wollte mich nicht mitnehmen, da der KAT mit seinen 20 t zu schwer ist. Müssen wir eben einen anderen Weg nehmen, denn es gibt ja noch Brücken über den Gambia River. Der Weg ist allerdings 130 km bis dorthin und wir zogen es vor, eine Übernachtung auf halben Weg einzuräumen, weil wir auch noch den Markt in Brikama Bar mitnehmen wollten. Der Markt war wie immer grausam und interessant zugleich. Ich liebe diese Märkte, allerdings war es heute sehr voll und somit mit einigen Hindernissen verbunden. Motorräder mit ihren Pritschen, Pferde- und Eselwagen, alles gleichzeitig, und wenn man Pech hatte kam auch noch ein Sprinter mit Waren mitten in den Markt gefahren, wo eigentlich kein Platz ist.
Zu dem ausgesuchten Platz war es nicht mehr weit, leider war dieser zwischen zwei Orten gelegen und wir wurden umringt von Menschen, der Zulauf nahm kein Ende, immer wenn wir dachten, jetzt ist es gut, kamen die nächsten Kinder und Jugendlichen. Magy und ich spazierten zu dem nächstgelegenen kleinen Ort, hatten dort ein nettes Gespräch mit zwei Studenten, die eine Studie über die Dorfbewohner im Gambia machten für die Universität. Wir bekamen das traditionelle Abendessen, Reis mit Fisch, sehr lecker. Dann gingen wir zu den Fahrzeugen zurück und wurden den ganzen Abend noch von weiteren Kindern und Jugendlichen belagert. Ich versuchte einer Gruppe verständlich zu machen, dass wir eigentlich alleine den Abend verbringen wollten, sie verstanden dies auch und gingen, aber wie gesagt, es kam die nächste Gruppe.
Am Ende gingen wir genervt in die Fahrzeuge.
An Schlafen war in der Nacht bis 2.30 Uhr nicht wirklich zu denken, denn die Musik von einer Party schallte zu uns herüber. Damit habe ich immer Probleme. Irgendwann schlief ich dann doch ein und wachte allerdings wieder früh wegen eines seltsamen Traums wieder auf.
Unsere Entscheidung, den Platz schnellstmöglich zu verlassen, war schon gestern Abend gefallen, und so packten wir schnell ein, erklärten noch einigen Kids, dass wir sie nicht brauchten und fuhren los. Ziel war wieder der Gambia River, auf der nördlichen Seite, kurz vor der Grenze. Leider war die Offroad-Straße so schlecht, dass wir nur 2 km auf dieser gefahren sind und uns dann einen Platz zum Übernachten gesucht haben. Kurz nach Ankunft kam ein Eigentümer des Grundstücks der uns erklärte, wie können hier stehenbleiben, auch für mehrere Nächte. Wir würden auch nicht gestört. Unterm Strich sind wir auch nicht gestört worden, die zehn Personen, die zu uns kamen, waren nicht der Rede wert und alles ist für uns hier in Ordnung.
Wir holten Fahrräder und das Quad von unseren Fahrzeugen, ich lud die Waschmaschine und stellte diese an und wir fuhren zum Gambia River, ein letztes Mal, denn wir wollten ja in den Senegal.
Zum Mittagessen hatten wir dann eine böse Überraschung. Drei junge Männer schlichen sich um das Fahrzeug von Carlos herum, fragten zunächst nach Wasser, dann nach Lebensmitteln, dann nach Geld, zum Schluss nach Medikamenten. Carlos gab nichts. Dann kam einer zu mir an die Tür, ich sah nur die Hand am Mückennetz und ging zur Tür. Er stand in ca 3 m Abstand zu mir und fragte nochmals nach etwas zu trinken. Ich sagte er solle gehen. Irgendwann muss Magy dann Fotos von denen gemacht haben. Sie liefen weg, kamen aber zurück und stellten sich hinter die Büsche, ca.15 m von uns entfernt. Dann belauerten sie uns. Ich ging zu den Büschen und sie liefen in den Wald, um bald darauf zurück zu kommen. Dann schnappte ich mir das Quad und verfolgte sie. Natürlich nicht weit, denn sie sprangen über eine Mauer die ich dann umrunden musste, somit waren sie außer Sichtkontakt und verschwunden.
Zurück zum Fahrzeug besprachen wir die Situation und überlegten, was zu machen sei. Carlos meinte, die kämen nicht wieder. Magy und ich fuhren dann Einkaufen, weil wir der Meinung waren es sei besser, morgen zu fahren.
Am Abend stellte Carlos fest, dass ihm das Werkzeug aus seinem Fahrradkorb geklaut wurde. Ärgerlich, aber erst einmal nicht zu ändern. Dann kam der Neffe des Eigentümers und fragte uns, wie es uns ging. Wir erzählten ihm die Geschichte und Magy zeigte ihm die Bilder. Er sagte sofort die Namen von zwei der drei Dieben und meinte, wir sollen zur Polizei gehen, die würden diese Männer ebenfalls schon kennen. Ok, machen wir dann morgen.
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