Wir wollten früh nach Atar aufbrechen, dort einkaufen, Geld holen, tanken und dann zu unserem See fahren. Es kam mal wieder anders als geplant. Wir fuhren los, diesmal insgesamt drei LKW, die anderen beiden LKW fuhren bereits eine halbe Stunde vor uns los, sie wollten nach Atar und dann zügig in den Senegal. Wir wollten ja nach dem Ausruhen zu den Krokodilen.
Also Abfahrt, und 12 km vor Atar machte meine Lenkung komische Geräusche, ich hielt an und merkte, dass Öl ausgelaufen war, ziemlich viel. Erst konnte ich nicht genau erkennen ob es Öl oder Diesel war, aber es war fast geruchlos und auch die Stellen die in Mitleidenschaft gezogen waren deuteten nicht auf Diesel hin. Folglich musste es Hydrauliköl sein. Und richtig, ein Behälter war fast leer. Wir füllten ihn auf und ich fuhr bis Atar, am großen Kreisverkehr mitten in der Stadt ging dann gar nichts mehr. Ich fand noch einen passenden Parkplatz und mir war klar, dass das hier ein größeres Problem ist. Hatte ich ja schon lange nicht mehr. Dann kam ein Mechaniker, füllte die beiden Tanks bis oben hin voll und ich konnte die nächste Sauerei wegmachen, denn natürlich war es mit Nachfüllen des Öls nicht getan. Ok, hätte klappen können, hat es aber nicht. Eine kurze Nachfrage bei meinem Mechaniker Marcel in Deutschland ergab, dass ich eine neue Servopumpe brauche, die natürlich nicht in meinem Ersatzteillager zu finden ist. Dann war klar, ich kann mich hier einrichten bis das Ersatzteil aus Deutschland geliefert wird. Hoffentlich passiert es zügig den Zoll. Es kam dann noch ein Guide, der fast perfekt englisch spricht und versicherte mir, dass das Ersatzteil umgehend, sofern es in Mauretanien angelangt ist, nach Atar geholt werden kann. Er hätte noch einen Mechaniker an der Hand, der üblicherweise an Militärfahrzeugen schraubt. Der würde mir die Pumpe einbauen. Danke, das war die Lösung die ich brauchte. Dann kamen noch einige Mädels die mit mir quatschen wollten, gerne doch, kann ja nur denen und mir helfen.
Bei Dunkelheit sah ich einen Polizisten hier in der Nähe sitzen. Ich ging zu ihm, erklärte ihm meine Situation und er meinte, ich würde hier sicher stehen, weil das Gebäude, vor dem ich stehe, nachts bewacht ist. Perfekt, dann mal gute Nacht.
Ich hoffe, das Paket ist bereits auf dem Weg, wissen tue ich das immer noch nicht, weil ich keine Mitteilung von Marcel bekommen habe. Wird schon klappen.
Morgens musste ich erst mal das Öl soweit es ging aus dem Motorraum entfernen und den Müll von gestern beseitigen. Elias kam und brachte mir zwei Brote, etwas kleiner als Baguette und ungemein lecker. Ich esse das Brot gerne auch direkt warm aus dem Ofen ohne Belag. Dann war Einkaufen angesagt, Mittagessen kochen und lesen. Am Nachmittag wollte ich zum nahegelegenen Park wandern. Auf dem Weg dorthin sprach mich eine Frau an, die offensichtlich nicht aus Mauretanien stammt. Sie sprach englisch und fragte mich, ob ich hier wohne. Ich erklärte ihr meine Situation und sie erläuterte, was sie hier macht. Sie gehört zu einer christlichen Mission, kommt eigentlich aus dem Libanon und ist in verschiedenen Ländern bereits tätig gewesen und jetzt eben hier in Atar. Sie leitet im Armenviertel eine Nachmittagsschule für die Kinder der armen Menschen hier. Ich sagte spontan ihr helfen zu wollen und sie freute sich riesig. Wir gingen noch zusammen zum Markt, kauften einen Sack voll Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren und Tomaten, packten alles in ein Taxi und fuhren zu der Schule. Die Gegend kannte ich bereits, war ich doch dort schon um den KAT mit Wasser aufzufüllen. Mir war vor zwei Wochen schon von dem Polizisten, der mir eigentlich einen Strafzettel verpassen wollte, gesagt worden, dass es hier ehr arme Menschen hin verschlägt. So hatte ich das auch gesehen. Wir gingen in die Schule und die Kinder warteten schon auf uns. Ich musste in vier Hefte Buchstaben und Wörter mit zwei Buchstaben schreiben. Die Kinder haben keine eigenen Hefte, denn sie würden diese möglicherweise den Tieren zum fressen geben. Es gibt auch nur ein Schulbuch für die französische Sprache, und das gehört einem Schüler der es mitbringt und zur Verfügung stellt. Ich kümmerte mich dann um vier kleine Mädchen im Büro von Aurora ( der Name der Lehrerin) die schreiben und lesen lernen sollten. Sie mussten die Buchstaben a, i, b und l lernen und Verbindungen wie la, lo, li, le lesen können. Unglaublich schwierig für die Kinder die Buchstaben und Buchstabenverbindungen zu schreiben. Aber es machte ungemein Spass, mir, und offensichtlich auch den Mädchen. Anschließend gingen wir zurück in die Klasse und natürlich waren die Mädchen jetzt besser als die Jungen. Eins zu null für das weibliche Geschlecht.
An Abend bekam ich noch Besuch von Ali, dem Guide, der mir helfen will und wir unterhielten uns noch eine Zeit lang. Macht die Sache hier in jedem Fall einfacher.
Das Paket ist noch nicht auf dem Weg, Marcel ist krank und ich muss länger warten.
Die beiden anderen Trucks kamen heute Morgen um noch einige Besorgungen zu machen, mit mir noch einmal zu Mittag zu essen und dann weiterzufahren nach Matmata zu den Krokodilen. Ich glaube, denen fiel der Abschied schwerer als mir. Ich bin es gewohnt allein zu sein und auch auf Ersatzteile zu warten. Trotzdem wäre ich natürlich gerne mitgefahren und werde die Drei vermissen.
Mittagessen gibt es trotz Ramadan hier in einer Großküche (nun ja, die riesigen Töpfe stehen im Hof und werden über Feuer heiß gemacht. Viele Geschäftsleute holen sich hier das Mittagessen ab. Es gab Couscous mit Möhren, Kartoffeln und Fisch. Einfach lecker für weniger als 3 Euro incl. einer großen Flasche Wasser. Natürlich war das jetzt kein Sternerestaurant, aber das Essen war reichlich und sehr schmackhaft. Da kann man über einige Unzulänglichkeiten hinwegsehen.
Dann kam der Abschied, wir umarmten uns und wünschten einander für die nächste Zeit alles Gute und hoffen auf ein schnelles Wiedersehen in Nouakchott mit fahrbaren LKW.
Am Abend bekam ich wieder Besuch von Ali, er versprach mir für Morgen ein Abendessen zu bringen. Bin gespannt.
Mein zweiter Tag in der Schule und schon war ich zu spät. Nicht in der Schule, aber Aurora hatte mir gesagt, ich solle gegen viertel vor neun an einem bestimmten Ort nahe meinem Stellplatz sein, ich hatte natürlich viertel nach neun verstanden. Und als ich gerade gehen wollte stand sie an der Tür und so beeilten wir uns ein Taxi zu bekommen um zur Schule gefahren zu werden. Ca. drei km der Weg, Kosten für uns zusammen ca 60 Cent. In der Schule angekommen erklärte mir Aurora meinen Job und nach und nach kamen die Mädchen und ein Junge zum Lernen. Sie waren schon jugendlich, also wesentlich älter als vorgestern. Es macht schon Spaß zuzusehen, wie sie versuchen französisch zu sprechen und, was für die Mädels viel schwieriger ist, zu schreiben. Sie haben sich offensichtlich gefreut, dass eine Touristin ihnen hilft. Ich hatte Bonbons mitgebracht, Stifte und Seife zum Hände waschen. Ich hatte sie selbst geschenkt bekommen, kann aber hier mit meinem kleinen Waschbecken keine Seife hinlegen. Und so findet sie sicher eine gute Verwendung.
Der Nachmittag war dann natürlich langweilig, weil ich auch bei 34 Grad im Schatten keine Lust verspürte noch großartig mit Putzen und Aufräumen anzufangen. Lediglich einkaufen war ich noch, sollte ich doch am Montag für die Kids, die zum Spielen kommen, Kekse kaufen. Das kann warten bis die Temperaturen hier etwas heruntergehen, was übermorgen der Fall sein soll. Morgen ist Sonntag, da hat die Schule zu und ich kann mit leichten Arbeiten beginnen. So der Plan.
Schule war heute keine, und Kindergarten auch nicht. Also konnte ich mal anfangen zu putzen. Ich versuchte, allen Sand aus jeder Ecke zu fegen und wischen, allein, es gelingt nicht. Aber es sieht alles schon mal etwas sauberer aus als vorher. Auch schon ein Erfolg.
Zwischendurch bekam ich Besuch, ein Ehepaar, das ich bereits in der Türkei kennengelernt habe und die mich an meinem LKW wiedererkannt hatten. Wir verabredeten, dass ich sie am Nachmittag auf dem Campingplatz besuchen komme. Sie waren nicht allein, sondern fuhren zusammen mit Johannes, einem Österreicher. Wir plauderten eine ganze Weile bis ich mich verabschieden musste, denn ich erwartete mein Abendessen heute von Ali, dessen Schwester für mich kochen wollte. Es hat sich gelohnt und war so viel, dass es noch für morgen reicht. Eine ganz andere Küche als ich sie aus den Restaurants kenne, wo man eigentlich immer das Gleiche vorgesetzt bekommt.
Mit Silvia, Helmut und Johannes hatte ich mich noch für morgen Abend zum Abschiedsessen verabredet.
Der Kindergarten ruft. Obwohl, eigentlich ist es kein Kindergarten. Die Missionsstation hier hat einen großen Spielplatz und einen Kindergarten mit drei Gruppen. Dies hier sind allerdings Kinder aus der Stadtmitte und nicht aus dem Armenviertel. Sie sind drei, vier und fünf Jahre alt und die Eltern zahlen dafür, dass die Kinder jeden Tag hier betreut werden. Meine Arbeit bestand darin, die Kinder aus dem Armenviertel, die einmal in der Woche hierher kommen um sich auszutoben an den Spielgeräten, mit zu beaufsichtigen, was einen Riesenspaß machte, nicht nur mit sondern vor allem den Kindern. Sie bekamen gar nicht genug vom Schaukeln und Rutschen und lachten ohne Unterlass. Leider dauerte der Spaß für die Kinder nur eine Stunde, dann wurden sie wieder nach Hause gefahren. Morgen geht es weiter mit dem Spass und einer anderen Kindergruppe aus dem Armenviertel.
Am Nachmittag war ich aus mir unerklärlichen Gründen unglaublich müde und damit hatte es sich mit Putzen und Aufräumen. Lesen und schlafen war angesagt bis zum Spätnachmittag, als ich mich dann zum Campingplatz aufmachte um zu quatschen und mit den anderen zu essen. Ein Drei-Gänge-Menü kam auf den Tisch, leider wieder in Restaurantqualität. Es schmeckt, ist aber nicht abwechslungsreich. Außer, dass es diesmal noch einen Salat gab und einen Kaffeepudding zum Nachtisch. Man hatte mich eingeladen, wofür ich mich herzlich bedankte und dann verabschiedeten wir uns, weil die Drei morgen weiterfahren wollen.
Mein Paket wurde gestern abgeschickt, per Express, ist aber heute noch nicht in Soest angekommen. 300 km, in der Zeit kann man es mit dem Fahrrad von Frankfurt nach Soest bringen. Ich bin ziemlich sauer, weil natürlich der Expresszuschlag gezahlt wurde und es im Schneckentempo voran geht. Unglaublich.
Kindergarten war wieder angesagt, eine halbe Stunde eher, dafür 1,5 Stunden toben für die Kinder. Da ich mich um 5 bis 7 Kinder auf ihren Schaukeln kümmerte war es ganz schön anstrengend für mich. Ich wollte ja mein Bestes geben und die Kinder wollten gar nicht tauschen und kamen immer wieder zu mir gerannt um geschaukelt zu werden. Danach war Schubladen aufräumen und saubermachen angesagt. Gut, dass ich nur drei Schubladen habe, und so konnte ich mich zeitig meinem Buch zuwenden.
Von Ali gab es wieder zwei Teller mit Abendessen, eine Suppe, Salat, Fisch, Pommes, Pfannkuchen und Gebäck mit Fleisch drin. Reicht für heute und für morgen.
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| Platz für 10 Kinder, eine Erzieherin und ein Fahrer |
Das Paket ist bei meinem Sohn angekommen, der es zu DHL brachte für den Versand nach Mauretanien. Das erste Paket wurde heute in das Flugzeug gebracht und ist folglich ebenfalls auf dem Weg. Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass es bereits in Mauretanien ist, weit gefehlt. Damit ist klar, dass ich mich noch eine Weile hier aufhalten muss.
Vormittags war nichts zu tun und so räumte ich weiter Schränke und Schubladen auf. Nicht so lange, denn es muss ja noch übermorgen was zu tun sein. Morgen ist Staukästen entsanden angesagt.
Am Nachmittag hatte ich wieder Schule, diesmal mussten die Kinder Rechenaufgaben üben, das kleine Einmaleins, diesmal als Zahlen geschrieben. Ich musste die Aufsicht führen. Anschließend wurde eine Blume auf einem DIN-A4 Blatt ausgemalt, die nächste Woche ausgeschnitten wird. Am 6. März ist der Tag für die Mütter und die sollen dann die Blume bekommen von den Kindern.
Ali hat mich heute Abend versetzt, weiß der Himmel, was der macht, auf den war bislang immer Verlass. Kommt bestimmt morgen wieder.
Nachdem ich mich am späten Vormittag aus dem Bett geschält habe war Sport angesagt und diesmal anstelle des Duschens erst einmal Staukästen aufräumen und vom Sand befreien. Klar war Duschen danach angesagt, denn ich konnte den Sand mit der Schaufel und dem Kompressor herausholen. Jetzt ist alles wieder schön aufgeräumt und ziemlich sandfrei. Mal sehen, wie lange das so bleibt. Obwohl, die nächsten Tage wird sich nicht viel tun, ich kann ja nicht wegfahren.
Am Abend kam Ali mit dem Abendessen. Leider hatte ich schon gegessen und stellte alles in den Kühlschrank für morgen. Ich kann nicht abends um halb neun noch essen, vorher verhungere ich. Ist einfach nicht meine Zeit, und schon gar nicht kann ich mit vollem Magen ins Bett gehen.
Die Pakete sind angeblich im Flugzeug bzw. in der Transportbox für das Flugzeug. Hoffentlich hebt es bald ab damit ich in der nächsten Woche die Pakete abholen kann.
Heute war Frühschicht in der Schule bzw. den Kindergarten angesagt. Denn freitags gibt es für die Kinder eine warme Mahlzeit und anschließend einen Joghurt und heute einen Keks von mir. Ich betreute die kleinen Kindergartenkinder, spielte mit ihnen und sang und tanzte nach Musik. Dann war Essen verteilen angesagt und spülen. Es gab Nudeln mit Möhren und Huhn. Sicherlich wäre mehr Gemüse und weniger Nudeln gesünder gewesen, aber das Gemüse ist hier sehr teuer und es muss ja alles bezahlt werden. Die Mission lebt nur von Spendengeldern.
Am Nachmittag bekam ich dann zweimal Besuch. Einmal von einem Ehepaar, das ich aus Saudi Arabien kannte und die mein Fahrzeug gesehen hatten. Sie bleiben nur eine Nacht und wollen morgen gegen Mittag weiterfahren. Dann hielten zwei Franzosen mit ihren riesigen Trucks an, sie fahren jeweils mit Familie, d.h. jeweils zwei Kindern, nach Südafrika. Damit war es nicht ganz so langweilig wie die Tage davor.
Schule war angesagt, so dachte ich. Aber wenn die Chefin nicht da ist und den Lehrerinnen mitteilt, was ich machen soll, dann braucht man mich offensichtlich nicht. Ich ging zur Schule und wurde kurz vorher umringt von Schülerinnen, die mich bis zur Tür begleiteten. Es war noch niemand da, klar, die Chefin kam heute nicht. Also kommt man später. Die Zeit nutzten die beiden Mädels um meine Haare zu sortieren. Wahrscheinlich haben sie noch nie so glatte und vor allem blondgraue Haare angefasst. Es machte ihnen sichtlich Spaß. Dann kamen die Schülerinnen, heute nur ungefähr 12 und die Lehrerinnen, welche dann nichts mit mir anzufangen wussten. Also machte ich mich wieder auf den Weg nach Hause, die ersten 800 m in Begleitung von 5 Mädels, die mich an die Hand nahmen und glücklich aussahen.
Am KAT angekommen besuchten mich kurz darauf Rolf und Gabi um mir auf Wiedersehen zu sagen. Sie fahren weiter und vielleicht trifft man sich ja unterwegs nochmal, sie wollen ebenfalls in den Senegal und dann weiter nach Südafrika. Auch sie sind langsam unterwegs. Damit vergeht wieder ein langweiliger Tag und von den Paketen ist noch nichts in Sicht. Lt. DHL warten sie immer noch auf den Transport nach Mauretanien. Seltsam finde ich das schon.
Zu meinem Glück hat der Sandsturm sich gelegt und es gibt wieder freie Sicht, zumindest halbwegs, denn richtig freie Sicht gibt es hier scheinbar nie und sandfrei scheint die Luft hier auch nie zu sein. Jedenfalls war heute Waschtag, vier Maschinen Wäsche, und die mussten trocknen. Bei dem Sturm gestern wäre sie sicherlich schnell getrocknet, aber anschließend hätte ich den Sand herausschlagen müssen. So ist es besser. Die Waschmaschine funktioniert einwandfrei, hoffentlich noch lange. Und wieder ist anschließend Staub und Sand entfernen angesagt, denn es staubt 24 Stunden täglich.
Am Abend dann hatte ich das Gefühl krank zu werden. Gut, der Zeitpunkt ist nicht so schlecht, denn ich habe hier außer Kinderbetreuung sowieso nichts zu tun. Schnupfen und leicht erhöhte Temperatur. Mal sehen, was das noch wird.
Fühlte mich noch sehr schwach am Morgen und hab bis gegen zwei Uhr im Bett verbracht. Geht ganz gut, werde nicht gestört hier, hab genügend zu essen und trinken und Bücher habe ich sowieso reichlich.
Dann bin ich aber doch aufgestanden und hab mal nach dem Rechten gesehen, war einkaufen und hab meine Nachrichten gelesen. Ups, Ralf und Gaby haben auch ein Problem mit dem LKW. Eine Schraube vom Abgaskrümmer ist gebrochen. Mal sehen, ob man helfen kann. Und wie gerufen hatte ich Nachrichten auf Insta und facebook von followern, die mir helfen wollten. So konnte ich Kontakte herstellen zwischen denen und Ralf, vielleicht kann ihnen ja ein Mechaniker vermittelt werden der die Reparatur in Mauretanien durchführen kann. Alternativ wollen sie nach Marrakesch oder Agadir, was jeweils ca. 2.500 km entfernt ist. Macht eigentlich keinen Sinn.
Dann kam Ali noch am Abend und erklärte mir, dass er morgen losfahren will um die Pakete abzuholen. Ich sagte ihm, dass das meiner Meinung nach noch zu früh ist, denn mindestens das letzte Paket dürfte noch nicht in Mauretanien angekommen sein. Er wollte trotzdem los und ich kann ihn wohl kaum davon abhalten. Er fährt auch nicht nur für mich, sondern noch für andere, so dass ich die Kosten seines Aufenthaltes nicht alleine tragen muss.
Wie ich schon vermutete ist das letzte Paket noch nicht in Mauretanien. Vielmehr bekam ich gestern spät abends noch eine Nachricht von DHL in der mitgeteilt wurde, dass das Paket noch gesondert untersucht wird in Deutschland. Wozu auch immer. Und dass das zwei Tage und mehr in Anspruch nehmen kann. Das wollte ich dann mal genauer wissen und rief DHL an. Ist zwar etwas schwierig die Telefonnummer herauszubekommen, aber dann hatte ich schnell einen Mitarbeiter am Telefon der mir sagte, dass das Paket tatsächlich gestern Abend auf den Weg gebracht wurde nach Mauretanien, es aber noch bis Ende der Woche dauern könne. Nun gut, es ist auf dem Weg, und damit schon mal nicht mehr im gesonderten Check. Natürlich ist Ali längst in Nouakchott und muss jetzt natürlich meinetwegen dort länger verweilen. Leider auf meine Kosten. Aber gut, das Hotel wird nicht die Welt kosten, auch nicht in Nouakchott.
Langeweile macht sich breit. Es gibt nichts mehr wirklich zu tun. Ach ja, ich musste eine Klappe von den Oberschränken neu verschrauben. Das Bambusholz sieht zwar schön aus, aber es ist verleimt, und die Schrauben der Scharniere saßen in der Leimschicht, so dass sich die Leimschicht gelöst hat. Ein neues Verkleben brachte nicht den Erfolg, auch ein zusätzliches Verschrauben der Platten nicht. Ich musste die Scharniere versetzen und etwas höher festschrauben. Jetzt ist alles wieder soweit in Ordnung.
Am Nachmittag war wieder Schule angesagt, meine fünf Mädchen mussten ihre letzte Woche gemalten Blumen ausschneiden. Katastrophe. Die Kinder sind in der dritten Klasse und können nicht mit einer Schere umgehen. Am Ende musste ich die Blumen ausschneiden. Konzentrationsschwäche und Vergesslichkeit, durch Mangelernährung machen sich hier stark bemerkbar. Auch die Feinmotorik ist nicht vorhanden, was sich auch beim Ausschneiden gezeigt hat. Ich hatte genau das schon beobachtet als die Kinder einzelne Buchstaben und dann Wörter in ihre Hefte schreiben sollten. Oft fehlt sicher auch eine Brille.
In der Schule hatte man mich gebeten, auch heute zu helfen. Denn morgen ist der große Tag für die Kinder, der Muttertag. Und jedes Kind will bzw. soll der Mutter ein Geschenk übergeben. Ein selbst gemaltes Bild, das allerdings noch auf einen gesonderten Zettel geklebt werden muss. Die Blumen von gestern wurden verwertet und andere mussten noch ausgeschnitten werden. Kann ich ja schon und so war ich fleißig am schnippeln und kleben. Gegen Mittag war alles fertig und Aurora sagte mir, ich solle mich ausruhen, denn, ja, sie hat ja Recht, ich bin immer noch krank. Und morgen ist der große Tag, mit mehr als 100 Gästen und bitte ohne mich.
Der Nachmittag war zum Einkaufen, wobei das immer recht schnell erledigt ist, ist ja alles fußläufig und damit innerhalb kurzer Zeit erledigt. Regt man sich in Deutschland über die Obstpreise auf sollte man mal in Atar einkaufen gehen. 4 kleine Birnen, 4 kleine Äpfel und 5 Bananen machen 8 Euro. Über Weintrauben und Kakifrucht braucht man nicht weiter zu sprechen. Nach anderen Preisen wage ich gar nicht zu fragen. Mauretanien hat kaum eigene Anbauflächen und fast alles muss eingeführt werden, was sich natürlich auf die Preise niederschlägt.
Ich kann im Bett bleiben, weil ich nichts zu tun habe. Lesen ist angesagt, Kaffeetrinken und Frühstücken im Bett ist auch mal nett.
Am Nachmittag dann chillen und bis zum Abend warten, denn dann kamen, wie bereits angekündigt, 6 Freunde von Carlos, Spanier, die Mauretanien im Schnelldurchgang machen und heute in Atar ankamen und im Camp Bab Sahara übernachten. Sie luden mich zum Abendessen und für eine Gesprächsrunde ein. Gerne doch. Ich traf dort noch einen Deutschen aus Bochum und so wurde es ein netter Abend.
Ich ging wieder in die Schule und wurde unglaublich von den Kindern begrüßt. Alle wollen mir die Hände reichen, obwohl der Unterricht eigentlich schon angefangen hatte. Aurora teilte mich einer Klasse zu, die einen französischen Text von der Tafel abschreiben musste. Nur wenige aus der Gruppe schrieben mit wenigen Fehlern ab. Ein Mädchen bekam nichts hin, außerdem ist sie Linkshänderin, was ich hier schon oft beobachtet hatte. Und weil ich mir keinen Rat wußte, nahm ich sie mit, und sie bekam eine Stunde Einzelunterricht im Schreiben von mir. Ob es hilft, ich weiß es nicht, denn die Vergesslichkeit ist hier durch die Mangelernährung stark ausgeprägt, und gerade dieses Mädchen scheint sehr liebebedürftig zu sein. Aurora sagte mir, sie fragt jeden Tag nach mir. Viel Spaß hatten wir in der Pause, als ich mit den Kindern das Lied „alle meine Enten“ auf Deutsch einstudierte mit den entsprechenden Bewegungen dazu. Sobald man sich mit den Kindern irgendwie im Spiel beschäftigt sind sie voll dabei. Auch auf unserem Weg zur Hauptstraße um ein Taxi zu winken machte ich mit den Mädchen ein „Laufspiel“, sie hatten einen riesigen Spaß. Auch wenn ich nicht nachhaltig helfen kann, so zeigen mir die Kulleraugen der Kinder doch, dass für den Moment alles richtig ist, und das ist ein herzliches Dankeschön von ihnen.
Vor der Schule hatte ich mit DHL telefoniert und erfahren, dass die Servopumpe am Montagabend in Nouakchott ankommen soll. Hoffentlich bekommt Ali die am Dienstag und kann dann sofort nach Atar zurückkommen. Leider wird das Paket mit den Stoßdämpfern vermißt. Es sollte schon am 28.2. in Nouakchott angekommen sein, wo auch immer es ist, jedenfalls nicht in Mauretanien. Also musste ich einen Nachforschungsantrag ausfüllen. Das wird mich möglicherweise noch länger in Mauretanien aufhalten. Auch wenn ich die Pumpe schon mal einbauen lassen kann und dann sowieso Richtung Nouakchott mich auf den Weg machen muss, solange die Stoßdämpfer nicht angekommen sind muss ich wohl warten. Gut, dass ich den Flug nach Deutschland noch nicht gebucht habe. Die Taufe meines Enkelkindes werde ich wahrscheinlich verpassen.
Was macht man, wenn nichts los ist? Richtig, Langeweile schieben, lesen und essen. Am Nachmittag dann ein etwas größerer Spaziergang. Später dann ein Lichtblick, Aurora kam mich besuchen, weil sie ein Stück spazieren gehen wollte. Da komm ich doch gleich mit und zeige ihr einen schönen Weg. Sie wohnt sein Oktober letzten Jahres hier und kannte diese Ecke noch nicht, obwohl es nur eine kurze Entfernung ist von ihrem Haus. Sie freute sich darüber einen Weg gefunden zu haben, den sie auch mit den Kindern gehen kann, denn er führt über den Damm am Fluss entlang, wo kein Auto und kein Motorrad fährt. Außerdem brachte sie mir Schokolade mit, weil ja der Weltfrauentag ist. Danke, die nehme ich doch gerne.
Anfrage bei DHL kommt zu dem Ergebnis, beide Pakete sollten bereits hier sein bzw. heute Abend ankommen. Nun ja, mal sehen. Jedenfalls war ich nicht im Kindergarten heute, sondern hatte eine private Führung durch eine kleine Kinderklinik, geführt von der Mission. Die Ärztin ist aus Madagaskar arbeitet hier seit 3 Jahren und ist seit 15 Jahren in Mauretanien. Die Mütter kommen mit den kleinen Kindern um sie wiegen und untersuchen zu lassen. Wenn ein Kind krank ist wird es entweder hier ambulant versorgt oder ins Krankenhaus geschickt. Das ist für die armen Familien hier ein Problem, denn sie müssen die Kinder mit Lebensmitteln versorgen und haben das Geld für das Taxi nicht. Das Krankenhaus ist außerhalb der Stadt. Und so nutzen alle dieses kleine Hospital um Hilfe zu bekommen. Da es hier in Mauretanien ein großes Problem mit der gesunden Ernährung gibt, viele Familien können sich Obst und Fleisch gar nicht, Gemüse nur wenig leisten, bekommen die Kinder und auch die Mütter hier eine kalorien- und vitaminreiche Mahlzeit. Es war ein besonderes Erlebnis für mich, mir das hier ansehen zu dürfen.
Am Nachmittag dann noch ein langer Spaziergang, besser, als faul auf der Haut zu liegen.
Keine Nachricht, lt. DHL sollen die Pakete allerdings in Mauretanien sein, wurde mir am Telefon mitgeteilt. Nun, ich bekomme täglich andere Informationen, leider nie die richtigen. Ali hat nochmals nachgesehen, allerdings wieder ohne Ergebnis. Ich habe ihm gesagt, er solle nach Atar kommen, es hat ja so keinen Sinn.
Am Morgen war ich wieder im Kindergarten und habe geholfen bei den drei- bis vierjährigen. Sie sollten Punkte miteinander verbinden, was für viele Kinder ein großes Problem darstellt. Und dann kommt noch das Problem mit der Konzentration, die nicht immer vorhanden ist. Leider habe ich jedoch keinen Vergleich zu den Kindergartenkindern in Deutschland, so dass ich nicht weiß, ob sie auf dem Stand der deutschen Kinder grundsätzlich sind oder nicht. Jedenfalls freuen sich die Kinder, wenn ich komme und sie umringen mich und nehmen meine Hand. Ein besonderes Hochgefühl bereitet ihnen offensichtlich, wenn ich meine Haarspange entferne und sie meine Haare anfassen dürfen. Klar, wir sprechen hier von Kindern, die schwarze krause Haare haben, da ist mein Haar natürlich mal was ganz anderes. Und das noch anfassen dürfen scheint der Himmel für die Mädchen zu sein.
Auch hier bekommen die Kinder ein nahrhaftes Getränk jeden Morgen.
Am Spätnachmittag war ich in der Mission eingeladen zum Kaffee und Kuchen. Ich konnte mich mit der Ärztin aus Madagaskar, der Kindergärtnerin aus Rwuanda und Aurora, der Lehrerin aus dem Libanon unterhalten und bekam meine Fragen beantwortet. Es sind Frauen die religiös sind und ihr Leben den armen Menschen gewidmet haben. Hochachtung und Hut ab. Es sind keine Ordensschwestern in Tracht, sie haben normale Kleidung an und benehmen sich auch normal.
Wieder bekam ich von DHL falsche Informationen wie sich am Nachmittag herausstellte. DHL sagte, die Pakete seine in Mauretanien, jetzt stellte sich heraus, dass DHL gar nicht versendet, sondern Postal Service, sprich, die Deutsche Post. Also kann man die Pakete natürlich auch nicht bei DHL in Nouakchott finden. Jetzt habe ich andere Kontakte, die helfen. Ein Spanier, der hier in Mauretanien für Paketzustellungen UPS, DHL usw. zuständig ist will sich kümmern. Er meint sogar, er könne eine Pumpe für mich finden, da hier solche Fahrzeuge ebenfalls gefahren sind und er diese von der Rallye Dakar kennt. Mal sehen, was geht.
Im Kindergarten wie immer das Gleiche, spielen, helfen und tausend Kinderhände, die nach mir greifen 😊
Neben diesem Kontakt mit Antonio war ich am Nachmittag noch bei Leonie aus Holland, die hier den Campingplatz Bab Sahara innehat. Sie spricht natürlich alle notwendigen Sprachen um Kontakt mit mir und den Einheimischen zu halten. Mal sehen, ob sie noch was ausrichten kann. So finden sich am Ende immer Wege.
Ich komme mir vor wie in der Vorweihnachtszeit, wir warten auf das Christkind. Immer noch nichts von den Paketen. Sonntag in einer Woche muss ich nach Nouakchott und mein Visum verlängern lassen. Die Anderen wollen auf mich warten, aber das kann ich fast gar nicht verlangen. Nun, wir werden sehen.
Heute Morgen war Kindergarten angesagt und heute Nachmittag Schule. Katastrophe, wie schlecht die Kinder schreiben können. Die brauchen eigentlich Einzelunterricht. Natürlich, es fällt ihnen schwer, weil sie in arabischer Schrift von rechts nach links schreiben müssen und in lateinischer von links nach rechts. Bei der arabischen haben die Linkshänder Vorteile. Und allein in dieser Klasse hier sind von 20 Kindern 4 oder fünf Kinder, die mit links schreiben, was hier übrigens kommentarlos geduldet wird.
Heute war Ali wieder hier und brachte mir warmes Essen für morgen Mittag.
Kindergarten und gemeinsames Essen draußen stand heute auf dem Plan. Die Kinder bekommen Kartoffeln mit Möhren, Tomaten und Rindfleisch, dazu ein Stück Baguette und als Nachtisch einen Apfel. Fast alle essen die Schüssel leer, sogar die Kleinen, obwohl manche von ihnen noch Hilfe benötigen.
Der Nachmittag war wieder einmal langweilig, ist ja nichts zu tun für mich. Und Ali brachte heute Abend nur sich selbst und kein Mittagessen für morgen.
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Interessanter Bericht aus einer anderen Welt! Weiter gute Abenteuer.
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